Kurt Beck (* 5. Februar 1949 in Bergzabern) ist ein deutscher Politiker (SPD) und seit 1994 Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz. Von 2006 bis 2008 war er auch Bundesvorsitzender seiner Partei. Von November 2006 bis Dezember 2008 war er Vizepräsident der Sozialistischen Internationalen.
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Bearbeiten Werdegang
Kurt Beck wurde als einziges Kind des Maurers Oskar Beck und dessen Frau Johanna in Bergzabern geboren. Beide stammen aus dem südpfälzischen Kapsweyer. Beck wuchs in Steinfeld im heutigen Landkreis Südliche Weinstraße auf und lebt dort bis heute. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er von 1963 bis 1968 eine Berufsausbildung zum Elektromechaniker der Fachrichtung Elektronik. In seiner Jugend engagierte sich der Katholik Beck in der Christlichen Arbeiterjugend. 1968 heiratete er die Friseurin Roswitha Starck, ein Jahr später wurde sein einziger Sohn geboren. Seinen Wehrdienst leistete Beck 1968/69. 1968 trat er außerdem der damaligen Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (seit 2001: Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft) bei. Neben der Arbeit als Funkelektroniker beim Heeresinstandsetzungswerk in Bad Bergzabern besuchte er ab 1969 eine Abendschule, an der er 1972 die Mittlere Reife erwarb. Seit demselben Jahr war er außerdem freigestellter Personalrats- und Bezirkspersonalratsvorsitzender.
Bearbeiten Einstieg in die Lokal- und Landespolitik
Beck trat 1972 der Sozialdemokratischen Partei bei. Beeinflusst hatten ihn das Godesberger Programm sowie Persönlichkeiten wie Bundeskanzler Willy Brandt und Wilhelm Dröscher. Er war seit 1974 Mitglied des Kreistags Südliche Weinstraße, 1989 wurde er zum Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Steinfeld gewählt. Beide Ämter gab er 1994 ab.
Seit 1979 ist Beck als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises 49 (Südliche Weinstraße) Mitglied des Rheinland-Pfälzischen Landtages. In den Jahren 1982 bis 1985 war er außerdem sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, von 1985 bis 1991 Parlamentarischer Geschäftsführer und von 1991 bis 1994 Fraktionsvorsitzender. Seit 1993 ist Kurt Beck außerdem Landesvorsitzender der SPD in Rheinland-Pfalz.
Bearbeiten Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
Da der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Rudolf Scharping nach der Bundestagswahl 1994 als Parteivorsitzender der SPD und Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion in die Bundespolitik wechselte, schlug er den damaligen Vorsitzenden der Landtagsfraktion als seinen Nachfolger vor.
Kurt Beck wurde am 26. Oktober 1994 vom rheinland-pfälzischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt. Er stützte sich zunächst ebenso wie Scharping auf eine sozialliberale Koalition. Bei der Landtagswahl 1996 erreichte die Partei unter Becks Führung 39,8 Prozent der gültigen Stimmen. Die CDU hatte knapp einen Prozentpunkt weniger erhalten. Bei der Landtagswahl 2001 siegte die SPD erneut, diesmal mit 44,7 Prozent der gültigen Stimmen (CDU: 35,3 Prozent). In den folgenden Jahren gelang es Beck, seine Popularität in dem relativ konservativen Land erheblich zu steigern. Bei der Landtagswahl 2006 erzielte seine Partei mit 45,6 Prozent der gültigen Stimmen die absolute Mehrheit der Mandate. Die CDU hatte sich abermals verschlechtert und nur 32,8 Prozent der gültigen Stimmen erreicht, den Grünen war mit nur 4,6 Prozent erstmals seit 1987 der Einzug in den rheinland-pfälzischen Landtag nicht gelungen. Becks Angebot an die FDP (8 Prozent), die Koalition dennoch fortzusetzen, lehnte der Juniorpartner ab, so dass es zu einer Alleinregierung der SPD kam. Bei seiner Wiederwahl am 18. Mai 2006 erhielt Beck mit 54 Stimmen eine Stimme mehr, als die SPD-Fraktion Mitglieder hat. In seiner Regierungszeit wurden im Bereich der Schul- und Sozialpolitik unter anderem Ganztagsschulen und ein kostenloses Kindergartenjahr eingerichtet. Die rheinland-pfälzische Arbeitslosenquote sank während der Regierungszeit von Beck auf rund sieben Prozent – den drittniedrigste Wert in Deutschland. Beck gilt als volksnaher Politiker, der gerne auf die Menschen zugeht und zuweilen auch ein Bad in der Menge nimmt.[1]
Er war vom 1. November 2000 bis zum 31. Oktober 2001 turnusgemäß Bundesratspräsident. Seit dem Rücktritt von Edmund Stoiber als bayerischer Ministerpräsident am 9. Oktober 2007 ist Beck der dienstälteste amtierende Ministerpräsident in Deutschland.
Bearbeiten Parteivorsitz
Bereits seit 2003 war Beck erst unter Gerhard Schröder, dann unter Franz Müntefering und zum Schluss unter dem Brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Nachdem sich Platzeck im Frühjahr 2006 in längere ärztliche Behandlung begab und schließlich aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, übernahm Beck am 10. April 2006 kommissarisch den Parteivorsitz. Gleichzeitig wurde er vom Präsidium als einziger Kandidat für den ordentlichen Parteivorsitz nominiert. Seine endgültige Wahl erfolgte auf einem Sonderparteitag am 14. Mai 2006. Seit dem 7. November 2006 ist Beck außerdem Vizepräsident der Sozialistischen Internationalen.
Am 7. September 2008 erklärte Beck auf der Parteiklausur anlässlich der Bekanntgabe des Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009, Frank-Walter Steinmeier, seinen Rücktritt als Bundesparteivorsitzender. Kurt Beck erklärte dazu in einer Pressemitteilung, dass er sich „aufgrund gezielter Falschinformationen“ zur Kanzlerkandidatur Steinmeiers durch die Presse nicht in der Lage sehe, das Amt weiterhin mit der „notwendigen Autorität auszuüben“.[2] Der Parteivorsitz wurde daraufhin zunächst von Steinmeier kommissarisch übernommen, bis Becks regulärer Nachfolger Franz Müntefering auf einem Parteitag der SPD im Oktober gewählt wurde.[3]
Bearbeiten Mitgliedschaften
- Rundfunkkommission der Länder, Vorsitzender (seit 1994)
- ZDF-Verwaltungsrat, Vorsitzender (seit 1999)
Bearbeiten Ehrenämter und Auszeichnungen
- GroĂźes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland
- GroĂźoffizier der Ehrenlegion
- Großkreuz des Verdienstordens Pro Merito Melitensi des Souveränen Malteserordens
- Kommandeur des Ordens der Künste und der Literatur der französischen Republik
- 1997: Ehrenmeister des Pfälzischen Handwerks
- 2003: MUT – Preis für politisches Handeln zugunsten psychisch kranker Menschen des Irrsinnig Menschlich e. V. – Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie, Leipzig
- 2003: Erster Fastnachtsorden „Wir sind nur ein Karnevalsverein“ des 1. FSV Mainz 05
- 2005: Mittelstandspreis der Union Mittelständischer Unternehmen
- Verdienstorden des Senats der Republik Chile
- EhrenbĂĽrger der Woiwodschaft Oppeln, Polen
- EhrendoktorwĂĽrde der Francis Marion University in South Carolina, Vereinigte Staaten
- EhrenbĂĽrger der sĂĽdchinesischen Provinz Fujian
- „Commandeur“ in der Weinbruderschaft Chevaliers du Tastevin, Frankreich
- Mitglied im Kuratorium der Stiftung von SchĂĽler Helfen Leben
Bearbeiten Siehe auch
Kabinett Beck I – Kabinett Beck II – Kabinett Beck III – Kabinett Beck IV
Bearbeiten Weblinks
- Persönliche Internetseite
- Literatur von und ĂĽber Kurt Beck im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ingo Arend, Vergesst die KleinbĂĽrger nicht!, in: Freitag 14, 04.04.2008
Bearbeiten Einzelnachweise
- ↑ Der Provinzkanzler taz.de, 14. Juni 2006
- ↑ Persönliche Erklärung von Kurt Beck
- ↑ Reuters-Pressemeldung v. 7. September 2008
Wilhelm Boden | Peter Altmeier | Helmut Kohl | Bernhard Vogel | Carl-Ludwig Wagner | Rudolf Scharping | Kurt Beck
Günther Oettinger (Baden-Württemberg) | Horst Seehofer (Bayern) | Klaus Wowereit (Berlin) | Matthias Platzeck (Brandenburg) | Jens Böhrnsen (Bremen) | Ole von Beust (Hamburg) | Roland Koch (Hessen) | Erwin Sellering (Mecklenburg-Vorpommern) | Christian Wulff (Niedersachsen) | Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen) | Kurt Beck (Rheinland-Pfalz) | Peter Müller (Saarland) | Stanislaw Tillich (Sachsen) | Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt) | Peter Harry Carstensen (Schleswig-Holstein) | Dieter Althaus (Thüringen)
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (1890–1933):
Paul Singer/Alwin Gerisch | August Bebel/Paul Singer | August Bebel/Hugo Haase | Hugo Haase/Friedrich Ebert | Friedrich Ebert | Friedrich Ebert/Philipp Scheidemann | Otto Wels/Hermann MĂĽller | Arthur Crispien/Otto Wels/Hermann MĂĽller | Arthur Crispien/Otto Wels | Arthur Crispien/Otto Wels/Hans Vogel
Exil-SPD (1933–1945):
Otto Wels/Hans Vogel | Hans Vogel
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (ab 1946):
Kurt Schumacher | Erich Ollenhauer | Willy Brandt | Hans-Jochen Vogel | Björn Engholm | Johannes Rau (komm.) | Rudolf Scharping | Oskar Lafontaine | Gerhard Schröder | Franz Müntefering | Matthias Platzeck | Kurt Beck | Frank-Walter Steinmeier (komm.) | Franz Müntefering
Baden-Württemberg: Ute Vogt | Bayern: Ludwig Stiegler | Berlin: Michael Müller | Brandenburg: Matthias Platzeck | Bremen: Uwe Beckmeyer | Hamburg: Ingo Egloff | Hessen: Andrea Ypsilanti | Mecklenburg-Vorpommern: Erwin Sellering | Niedersachsen: Garrelt Duin | Nordrhein-Westfalen: Hannelore Kraft | Rheinland-Pfalz: Kurt Beck | Saarland: Heiko Maas | Sachsen: Thomas Jurk | Sachsen-Anhalt: Holger Hövelmann | Schleswig-Holstein: Ralf Stegner | Thüringen: Christoph Matschie
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Beck, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SPD) |
| GEBURTSDATUM | 5. Februar 1949 |
| GEBURTSORT | Bergzabern, Deutschland |
